Multikulturelle Arbeitswelt

meine Wenigkeit Im Semester 2000/2001 absolvierte ich in Malaysia bei der Firma Bosch mein Praxissemester. Die dortige Bevölkerung besteht zu 60% aus Chinesen, 20% aus Malayen, 13% aus Indern und einigen Minderheiten. In tropischer Schwüle machte ich interessante Erfahrungen mit der süd-ost-asiatischen Arbeitswelt.
Meine Erlebnisse mit kulturellen Unterschieden, den dortigen Arbeitsbedingungen und anderen lokalen Besonderheiten möchte ich im Folgenden beschreiben.
Die Abteilung, in der ich arbeitete, war ebebfalls kulturell bunt gemischt. Der Abteilungsleiter war ein Deutscher und mein nächster Vorgesetzter war ein chinesischer Elektroingenieur. Des weiteren gab es zwei Chinesen, zwei Inder und eine malaiische Sekretaerin. Die Sprache in der wir uns verständigten war Englisch.
Als erstes stellte sich mir die Aufgabe, die verschiedenen Akzente, in denen Englisch gesprochen wird, zu verstehen. Später hatte ich Probleme, die aus der kulturellen Verschiedenheit entstanden. Zum Beispiel stellten sich gelegentlich während meiner Projektarbeit fachliche Probleme ein, so dass ich Fragen an meinen chinesischen Vorgesetzten hatte. Ich benötigte einige Zeit zu verstehen, dass mein buddhistischer Vorgesetzter mit einem "JA" mir nicht seine Zustimmung kundtat, sondern mir lediglich mitteilte, dass er den Sachverhalt vernommen und verstanden hatte.
das Herzstück eines Hindu-Tempels Mir gegenüber saß ein sympathischer Inder, der immer ein warmes Lächeln auf den Lippen trug. Nie hörte ich ihn laut werden. Stets bewahrte er seine Fassung. In Malaysia lernte ich auch, dass man sich unbedingt davor hüten sollte, seine Stimme zu heben. Dadurch könnte irgend ein Beteiligter sein Gesicht verlieren, was eines der schlimmsten Dinge ist, die einem Asiaten passieren kann. Weiter fielen mir des öfteren folgende Sachverhalte auf:
Hier und da konnte man auf einem unbesetzten Schreibtisch ein Schild, mit der Aufschrift: "I'm praying" ("Ich bin beten")erblicken. Wenn es nun wirklich dringend und wichtig war, diese Person zu sprechen, dann mußte man seine Religion kennen. Auf dem Werksgelände gab es nämlich eine moslemische Gebetsstätte, die sogenannte Surau, und einen Tempel, der auf der östlichen Seite einen bunteren Hindutempel darstellte und nach Westen hin einen buddhistischen Altar beinhaltete.
Selbst beim Essen müssen religiöse Regeln beachtet werden. Es gehört sicherlich nicht zum guten Ton mit einem Moslem am Tisch zu sitzen und Schweinefleisch zu essen oder gar einem Inder zuzumuten, ihm gegenüber mit einer Gabel in ein Stück Fleisch seiner heiligen Kuh zu stechen, um es anschließend zum Mund zu führen.
Auch die Arbeitsbedingungen weichen stark den deutschen ab. das Sonnenkreuz ist ein Symbol für Glück Beim Urlaubsanspruch sind die deutschen Verhältnisse für Malaien Traumvorstellungen. Ein Ingenieur steigt mit durchschnittlich 12 Tagen Urlaub pro Jahr in eine Firma ein. Wenn er länger als fünf Jahre im selben Betrieb arbeitet, steigt sein Urlaubsanspruch auf 18 Tage. Bei einem einfachen Arbeiter hingegen variieren die Urlaubstage zwischen 8 und 16 Tagen pro Jahr.
Außerdem ist es äußerst schwierig, seine geleisteten Überstunden an anderen Tagen wieder abzufeiern. Die öffentlichen Feiertage jedoch gleichen den geringen Urlaubsanspruch wieder aus. Am 1. Januar schließen die Firmen zum christlichen Neujahrsfest und auch der 24. und 25. Januar ilt als öffentlicher Feiertag, weil dort für die Chinesen das neue Jahr beginnt. Diese Jahr zumindest lag das chinesische Neujahrsfest Ende Januar. Dadurch, dass der chinesische Mondkalender nicht mit unserem übereinstimmt, kann das Fest auch mal Anfang Februar stattfinden. Weiter geht es mit den indischen Feiertagen Taipusam im Februar.
Auch die Geburtstage des malaiischen Königs und des regionalen Gouverneurs werden gefeiert. Zum Ende des Jahres bekommen alle nochmals für den hinduistischen Feiertag "Deepavalli" und den moslemischen Feiertag "Hari Raya Pusa" frei. Mosche Es ist nicht zu vergessen, dass man an Weihnachten auch frei bekommt, egal ob man das heilige Fest feiert oder nicht. Alle hier vorkommenden Völker feiern die religiösen Feiertage der anderen mit, was sicherlich das friedliche Zusammenleben und die Toleranz der verschiedenen Rassen untereinander fördert.
Ein nächster wichtiger Punkt auf den ich eingehen möchte, ist die Bezahlung. Das Einstiegsgehalt eines Ingenieurs liegt bei ungefähr 1500,-DM im Monat und steigt ohne Beförderung um etwa 7% jährlich. Für Departmentmanager wird zusätzlich ein Auto zur Verfügung gestellt.
Natürlich muß man die Gehälter in Relation zu den örtlichen Lebensunterhaltskosten sehen. Zum Beispiel ist der Preis eines gewöhnlichen Essens in einem durchschnittlichen Restaurant etwa 3,-DM. Daher ist es zu empfehlen zuerst in Deutschland bei der jeweiligen Firma anzufangen, um unter einem deutschen Arbeitsvertrag zu stehen. Zusätzlich wird im Falle einer ausländischen Tätigkeit auf das Gehalt ein Auslandszuschlag gezahlt. Meist stellt die ausländische Niederlassung ein Auto und eine Wohnung zur Verfügung.
chinesisch, buddhistischer Tempeleingang Doch nun wieder zurück zu der kulturellen Verschiedenheiten. Noch zu Beginn meines Praktikums überlegte ich mir einen Pullover oder eine Jacke mit in den Betrieb zu nehmen. Die Klimaanlagen waren nämlich so kalt eingestellt, dass viele Angestellten mit Jacken an ihren Schreibtischen saßen. Wenn man aber sein Büro verlassen muß und die Tür ins Freie öffnet, lief man gegen eine Hitzewand. Mein Vorschlag, die Klimaanlagen um einige Grad Celcius herunter zu regeln, wurde abgelehnt. Dies sei schon einmal ausprobiert worden, worauf unzählige Beschwerdemails die Inbox des Verantwortlichen füllten. Es blieb also alles beim Alten und ich erkläre mir deren Verhalten so, dass Kälte so etwas ähnliches wie ein Statussymbol ist. Die Temperaturen in Malaysia bewegen sich nämlich das ganze Jahr um die Durchschnittswerte von 27°C und 32°C.
Die Uhr springt auf 17.15 Uhr und ein gewöhnlicher, neunstündiger Arbeitstag geht zu Ende. In schweißtreibender Hitze quäle ich mich durch den chaotischen und hektischen Verkehr der Insel Penang. Der Linksverkehr, den die Engländer zu Kolonialzeiten einführten, erschwert mir das Fahren. Klapprige Busse stoßen beim Beschleunigen rußschwarze Wolken aus. Der Geruch nach unverbranntem Benzol läßt mich nur schwer atmen. Ständig wird mir die Vorfahrt genommen. Motorradfahrer ohne Sturzhelme setzen zu riskanten Überholmanövern an. Bereits an die Lebensumstände gewöhnt, nehme ich dies alles mit asiatischer Gelassenheit hin.
das höchste Gebäude der Welt steht in Kuala Lumpur