Neues von der Seidenstrasse


Neues von der Seidenstrasse Morgens in aller Herrgottsfrueh, stiegen wir in den Bus nach Hua Shan. Erst nach ungefaehr einer Stunde war der Bus voll genug, so dass er los fuhr. Wahrend der Fahrt in der Stadt hing die Kassiererin aus der Bustuer und versuchte am Strassenrand wartende Leute zu ueberreden mitzufahren. Manchmal gelang es ihr sogar jemanden zu ueberzeugen, der erst den Anschein machte, nichts von ihr zu wollen. Der Bus fuhr in der Stadt immer wieder die belebten Stellen an. Die Kassiererin sammelte noch einige Leute auf, deren Gepaeck und Fahrraeder erst noch auf dem Dach verstaut werden mussten.
Endlich war der Bus in dem Masse ueberfuellt, dass kein Zusaetzlicher mehr hineingepasste haette. Der Busfahrer konnte den Minibus nun auf die Autobahn lenken. Ploetzlich zischte es und eine kalte Fluessigkeit sprizte mir in den Nacken. Als ich mich umdrehte sah ich einen Bauer mit einem dumpfen Gesichtsausdruck, wie er eine Coca-Cola-Dose in der Hand hielt.
Auf einmal herrschte Aufregung im Bus, da der dumpfe Bauer, der stets ein Auge geschlossen hielt, noch mehrere Fahrgaeste und sogar die Decke des Busses mit der braunen und klebrigen Fluessigkeit bekleckert hatte. Ein grosser Hagerer schimpfte auf den armen Tropf ein, so dass dieser gar nicht mehr verstand, was mit ihm geschah. Der Hagere riss ihm wuetend die Aluminiumdose aus der Hand und schuettete dessen Inhalt auf den Boden. Waehrend des Auskippens erklang ein Geraeusch, das auf einen Gegenstand im Inneren der Dose hinwies. Er schuettelte die Dose heftiger, um sicher zu gehen, dass sich darin wirklich ein Gegenstand befand. Ueber der Hand des dumpfen Bauers riss er die Buechse auseinander. Ein viereckiges daumengrosses Goldblaettchen fiel dem Bauer in die Haende.
Die Aufregung packte nun den gesamten ueberfuellten Bus. Das Geschrei und Gedraenge war gross. Jeder wollte das Goldblaettchen sehen. Auch mir wurde einen kurzen Blick auf die darauf stehenden, chinesischen Schriftzeichen gestattet. Ich konnte den vermeintlichen Gewinn der Coca-Cola-Werbekampagne nicht deuten, geschweige denn von einem der Insassen erfahren.
Von allen Seiten wurde der dumpfe Bauer beschwatzt, der wahrscheinlich, genauso wie ich, noch nicht begriffen hatte, was das Goldblaettchen zu bedeuten hatte. Der Hagere riss es ihm aus der Hand. Ein anderer gab es ihm wieder zurueck. Nun kramte ein Dicker in seiner Handtasche und bot ihm ein Stapel Geld zum Tausch an. Ein Zahnloser bot mehr Geld, so dass der Dicke sein Mobiltelefon und den Stapel Geld setzte.
Es half alles nichts. Der dumpfe Gewinner schaute mit seinem haengenden Augenlied noch leerer in die euphorische Menge, als er es vorher tat. Die Coca-Cola Werbeaktion erregte sogar so viel Aufsehen, dass nach einer halben Stunde der Dumpfe und ein Viertel der Buspassagiere mitten auf der Autobahn ausstiegen.
Pepsi-Cola die sichtlich mehr Webeplakate im Reich der Mitte aufhingen und deren Pepsidosen an jedem Strassenkiosk mit einer Backham-Abbildung lockten, muss wohl noch einiges tun, um mit Coca-Cola mithalten zu koennen.
Auch die Kassiererin schlug aus der Coca-Cola-Werbekampagne Profit. Sie sammelte nun weitere Passagiere von der Strasse auf und verkaufte die bereits bezahlten Sitz- und Stehplaetze ein zweites Mal.

Drink always Coca-Cola