Die Schifffahrt
Noch in der Morgendaemmerung betreten
wir die Hafenanlage von Penang und laufen den langen Steg zur Faehre nach
Langkawi hinaus. Ein sanfter, dunkler Morgenschleier bedeckt die
Wasseroberflaeche des Indischen Ozeans.
Die Stimmung waere beinahe idyllisch,
wenn da nicht auffaellig weisse Fremdkoerper in dem Hafenbecken treiben wuerden.
Erst beim zweiten Hinsehen erkenne ich, dass es sich um unwahrscheinlich viele
Gummihandschuhe handelt.
Verwirrt versuche ich, diesen Anblick einzuordnen.
Ich kann jedoch nichts bereits Gesehenes oder Erfahrenes damit in Verbindung
bringen. Der Ticketkontrolleur reisst mich aus meinen Gedanken und macht uns den
Weg in ein kleines Schiff frei.
An Bord herrscht bedrueckende Stimmung. Man
kann gar nicht an Deck gehen, um dort eine Bootsfahrt mit salziger unsd frischer
Meeresluft zu geniessen. Hingegen wird man wie gemaestetes Vieh, das zur
Schlachtung transportiert wird, aneinander gefercht.
Der hiesige Ort ist
nicht nur bedrueckend, sondern sogar furchterregend , wenn man an eine
Notsituation denkt, die einen zum Fluechten zwingt. Es sind genuegend
orangenfarbene Schwimmwesten unterhalb der niedrigen Decke zu sehen. Der
Notausgang, der aus einer Stahltuer besteht, die mit sechs Klemmverschluessen
befestigt ist, laesst sich bei Gefahr vielleicht gar nicht mehr oeffnen, weil
sie zu verrostet ist. Ploetzlich startet der Motor und das leichte Schaukeln des
Schiffrumpfes im Hafenbecken wird von leichtem Vibrieren der Bordmaschine
begleitet.
Kaum haben wir die Hafenanlage verlassen, drueckt der Steuermann,
der unheimlicherweise nicht mal zu sehen ist, den Gashebel durch, so dass das
Geraeusch des Motors um ein Vielfaches ansteigt und links und rechts vom Kiel
schaeumende Fontaenen empor schiessen.
Es dauert nicht lange, bis die ersten
Insassen sich schwankend zur Toilette bewegen, weil der Seegang, bedingt durch
das regnerische und windige Wetter, etwas turbulenter ist. Die anfangs
froehlichen Gesichter werden immer bleicher, bis schliesslich sich der erste vor
Uebelkeit uebergibt.
Auch die zarte Chinesin vor mir erliegt dem Schaukeln
des Bootes. Ihr Freund reicht ihr noch gerade rechtzeitig eine rote
Plastiktuete, die sie rasch mit Erbrochenem fuellt.
Der Bug des Bootes bewegt
sich heftig auf und ab. Auch mir macht nun der harte Aufschlag des Schiffrumpfes
auf den Wellen zu schaffen. Die schwindelerregenden Bewegungen scheinen, nicht
mehr aufzuhoeren. Bedauerlicherweise uebergeben sich nun die neben mir sitzende
Mutter und sogar ihr Kind, dass sie auf dem Arm haelt. Als wir noch im Hafen
lagen, kaute das trollige Kind friedlich auf meinem Zeigefinger, da er geade
zahnte. Jetzt liegt es zusammengekauert im Schosse der erschoepften
Mutter.
Ich schliesse besser die Augen, da nun immer mehr Leute nach
Plastiktueten greifen und wie betaeubt herumtorkeln. Etwa die Haelfte aller
Insassen sind nun von der Uebelkeit betroffen. Ich versuche, an etwas anderes zu
denken, und konzentriere mich auf meinen ruhigen Atem in Bauchnabelhoehe, um
nicht gleich von der Seekrankheit angesteckt zu werden.
Zum Glueck schlafe
ich ein und erwache erst wieder, als der Steuermann das Gas zurueck schaltet und
damit die Vibration des Motors sich verringert.
Endlich - WILLKOMEN IN
LANGKAWI