
Ulsan Korea, den 19. August 2004
Der Regen schlägt gegen die Scheiben. Aus der Klimaanlage tropft Wasser auf die Matratze.
Der Bewegungsmelder im Flur schaltet das Licht ein und aus, wie von Geisterhand.
Obwohl alle Fenster verriegelt sind, muss durch irgendwelche kleinen Löcher oder
Ritzen Wind in meine kleine Wohnung gelangen.
Der Blick aus dem Fenster bereitet mir sorgen. Draußen fegt ein schweres Unwetter über
die Hafenstadt Ulsan/Korea.
Es sind nur wenige Leute auf der Straße, obwohl die Koreaner um diese Zeit normalerweise,
wie die Ameisen zur Arbeit wuseln.
Der Sturm zerreisst Regenschirme, schleudert alles was nicht angebunden ist durch die
Lüfte. Sogar Bäume werden entwurzelt.
Arne (Siemens Norwegen) klopft an die Tür. „Das wird heute wohl nichts mit Arbeiten,
weil ein Hurrikan draußen wütet.“
Eine halbe Stunde später klopft Arne wieder an die Tür. Die ehrgeizigen Koreaner wollen
trotz des Unwetters einen Generator starten.
Die Werft ist wie leer gefegt. Einige Wenige irren umher. Auch wir wissen nicht wirklich,
wo wir hin sollen. Die Containerbüros sind abgeschlossen. Der obere Container war vom Wind
heruntergeblasen worden. Dies hätte auch unser Büro sein können. Auch herumgeschleuderte
Zweiräder, verkanntet in Metallgerüste, machten mir das Ausmaß des Hurrikans klar.
Der Weg zur Ölplattform erweisst sich als schwierig. Die Wellen peitschen über das
Hafenbecken. Das Wasser steht mir bis zu den Knöcheln.
An der Bohrinsel angekommen, stellen wir fest, daß die Stromversorgung zusammengebrochen
war. Es ist weit und breit keiner zu sehen. Es ist zwecklos eine Generator zu starten.
Auch wir gehen nach Hause.
Ich trockne die Arbeitsschuhe über dem Toaster. Der Tag ist gut. Er wird bezahlt und ich
habe endlich mal wieder Zeit, ein Buch zu lesen.
