Wie Du mir, so ich Dir


Zwölf Jahre nach der Wiedervereinigung Deutschlands ereignete sich bei Ausstand meinem letzten Arbeitstag bei der Firma Alstom ein angeregtes Gespräch zwischen Ossis, Wessis und Ausländern, die in einer gemütlichen Runde zu Tische saßen.
"Es ist doch klar, daß der heutige Rechtsextremismus in Ostdeutschland größer ist als im Westen der Bundesrepublik. Schließlich gab es zu sozialistischen Zeiten ja kaum Ausländer hier." Sagte ein Ossi und schaute einen seiner Kollegen, auf Zustimmung wartend, an.
"Und wenn es Ausländer gab, waren es meist Vietnamesen, die aber isoliert von uns lebten, so daß auf den Straßen kaum Asiaten zu sehen waren" ergänzte er.
Plötzlich stand ein farbiger Arbeitskollege auf und widerlegte, erregt die Aussage des Ossis.
"Das ist doch gar nicht wahr. Ich habe immerhin vier Jahre meines Lebens in der DDR gelebt."
"Du bist also ein schwarzer Ossi?" rief eine Westberlinerin in die Runde, die in schallendes Gelächter ausbrach.
"Ja, ich habe damals in Dresden gelebt."
"Da warst du bestimmt der einzige Schwarze im damaligen Straßenbild von Dresden?" rief der Ossi.
"Fast" antwortete der Afrikaner.
"Man merkte, daß wir nur wenige waren" sagte der Farbige.
"Es war schon ein komisches Gefühl, weil alle Leute uns so anschauten." sagte er mit leuchtenden und großen Augen.
"Eines Tages, als ich in unserem Kombinat arbeitete, kam eine junge Frau auf mich zu. Sie starrte mich an, als hätte sie mich noch nie zuvor gesehen. Dies war aber nicht so, weil sie im Raum neben mir tätig war. Auch in der Kantine oder auf dem Parkplatz des Betriebsgeländes kreuzten sich des öfteren unsere Blicke.
Bald merkte ich, daß sie etwas auf dem Herzen hatte. Sie traute sich jedoch nicht mit mir darüber zu reden. Erst als ich sie vertrauenswürdig anlächelte, kam sie heraus mit der Sprache." sagte er, dem mittlerweile alle Personen der fröhlichen Gesellschaft gespannt zuhörten.
Mit seinen großen Kulleraugen, die ihm beinahe herausfielen, setzte er mit sympathischer Dynamik fort.
"Schüchtern und meinen Augenkontakt meidend sagte sie: "Ich habe etwas gehört, das ich kaum glauben kann.
Ungeduldig forderte ich sie auf 'Na sag schon, was du gehört hast, sag schon' Verlegen und mit leicht erröteten Wangen, platzte sie heraus: 'Stimmte es, daß schwarzen Männer zwei Geschlechtsteile haben?'
Mir fiel die Kinnlade herunter, als ich das hörte. Bald jedoch faste ich mich wieder und antwortete mit einem plumpen 'Ja'.
Eigentlich wunderte ich mich selber ihr Recht zu geben, freundete mich aber bald mit dem Spiel an.
Neugierig sagte sie: "Ich würde mir wünschen, dies einmal mit eignen Augen sehen zu können."
Keß antwortete ich: "Auch ich habe noch nie eine weiße Frau nackt gesehen. Wenn Du mir deines zeigst, zeige ich dir meines!' Erschrocken rannte sie zurück zu ihrem Arbeitsplatz und sprach nie wieder ein Wort mit mir."
Lautes Lachen und frohe Heiterkeit teilten sich nun alle Ossis, Wessis und Ausländer, die hier zusammensaßen.